Michael Gerr

Stadtrat für Würzburg

Rathaus GrafeneckartEinstimmig hat der Würzburger Stadtrat den Entwurf des Aktionsplans Inklusion beschlossen. Damit gehört Würzburg nun zu den Großstädten, die einen eigenen Kommunalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen erstellt haben. Bereits die Erstellung des Aktionsplans war aktive Bewusstseinsbildung für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Wenn es an die Umsetzung der vielen Maßnahmeempfehlungen geht, kann Würzburg wichtige Schritte tun, um selbstbestimmtes Leben für alle Menschen in der Stadt zu ermöglichen und zu erleichtern.

Verantwortlich für den Prozess, der vor uns liegt, ist natürlich der Stadtrat, vor allem auch dann, wenn es um die Bereitstellung von Geldern für größere Projekte geht, verantwortlich sind aber auch alle, die beim Erstellen des Plans beteiligt waren, dafür, dass sie weiter dran bleiben und in ihrem Umfeld dafür werben und schließlich geht es auch darum diejenigen einzubinden, die bisher noch nicht so sehr Zugang zum Thema Inklusion gefunden haben und sie mit verantwortlich zu machen, damit es allen in Würzburg gut geht. Das beginnt mit den großen Institutionen, meint aber gerade auch die kleineren Akteure in einer Stadt, wie beim Bäcker nebenan, bis hin zu alltäglichen Begegnungen. Spannend wird aber auch, ob und wie Ministerpräsident Seehofer seiner Verantwortung und seinen Worten gerecht wird und ob nach der Ankündigung Bayern barrierefrei zu machen etwa Förderprogramme für Kommunen folgen. Allein die Barrierefreiheit der Schulen zu erreichen, am besten zusammen mit allgemeinen Sanierungen, ist eine Riesenaufgabe, für welche die Kommunen Unterstützung brauchen.

Begonnen hatte der Prozess der Planerstellung mit einem interfraktionellen Antrag (den ich initiiert hatte) im Jahr 2011. Dem folgte die Beauftragung eines Sozialinstituts (Afa / SAGS), hinterlegt mit Haushaltsmitteln von rund 40.000 Euro, wofür sich insbesondere der Sozialreferent Robert Scheller eingesetzt hatte. Das Rumpfstück des Prozesses waren aber die vielen Bürgerwerkstätten zu sechs Handlungsfeldern in einem offenen und transparenten Prozess: Dokumentation auf der städtischen Homepage, enge Beteiligung des Behindertenbeirats, Beteiligung vieler städtischer und außerstädtischer Stellen, wie z.B. der Bezirk oder die Arbeitsagentur.

Herauszustellen ist für mich noch, dass es keine Grabenkämpfe ideologischer Art gab. Der Überbegriff der Inklusion und die Tatsache, dass behinderte Menschen gleiche Rechte haben, die verwirklicht werden müssen, wurde von niemanden bestritten. Im Plan finden sich aber dennoch viele Positionen und Erfahrungen wieder, die sich zum Teil auch wiedersprechen können. Unterschiedliche Menschen starten eben von unterschiedlicher Stelle aus. Das bedeutet nicht, dass mögliche Konflikte eingeebnet wurden oder werden sollen, da wird auch noch manches auszutragen sein. Die Unterschiedlichkeit und Vielheit ist aber ein Stärke des Aktionsplans und macht ihn größer und lässt hoffen, dass er deshalb auch wirksamer werden wird.

Da mir der Prozess der Planerstellung eine persönliche Herzensangelegenheit war - und es bleibt eine! - möchte ich allen danken, die sich beteiligt haben mit ihrem Stück Lebenszeit und Lebensenergie, was Grundlage ist die Stadt weiter positiv zu verändern. Wenn sich Einstellungen einzelner Menschen verändern, hat das immer auch Wirkung auf das große Gefüge, auch wenn es nicht gleich zu sehen ist. So darf es weitergehen...!

Am 6. Mai wird der Aktionsplan der Öffentlichkeit vorgestellt, ab 16.30 Uhr im Ratssaal. Ab 13 Uhr gibt es Aktionen am Unteren Markt organisiert durch den Behindertenbeirat.

Link: Beschlussvorlage Aktionsplan Inklusion