Michael Gerr

Stadtrat für Würzburg

Interfraktioneller Antrag: Konzept für ein barrierefreies Straßenbahnnetz

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, hiermit stellen wir den Antrag:

Die Stadt wirkt als Gesellschafter der WSB darauf hin, dass diese von einem externen Fachgutachter Rahmenbedingungen für eine gute, nachhaltige und barrierefreie Straßenbahn erarbeiten lässt. Insbesondere sollen die folgenden Fragen bezogen auf die Würzburger Gesamtsituation beantwortet werden:

1. Welche Voraussetzungen an Fahrzeugen und Haltestellen müssen erfüllt werden, damit neu zu beschaffende Niederflurfahrzeuge im Würzburger Straßenbahnnetz nachhaltig funktionieren, d. h. technisch zuverlässig, gleis- und fahrzeugschonend, und gleichzeitig alle Straßenbahnhaltestellen barrierefrei erschlossen werden können? 


2. Was ist die optimale Haltestellenkantenhöhe bezogen auf die neue Straßenbahn- generation, um einen barrierefreien Einstieg bis maximal 5 Zentimeter Höhenunterschied zu erreichen? 


3. Welche Lösung einer im Alltagsbetrieb zuverlässig einsatzfähigen fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe für den Restspalt wird empfohlen?

4. Welche Lösungen können, möglicherweise in einem Stufenplan, für den Übergangszeitraum empfohlen werden, damit unterschiedliche Fahrzeugreihen bei abzusehenden unterschiedlichen Kantenhöhen möglichst gut funktionieren? 




Begründung:

In Würzburg steht in den nächsten Jahren der Austausch der aktuell noch fahrenden Straßenbahnen an. Auch wenn für die beiden Niederflurgenerationen eine barrierefreie Übergangslösung geschaffen wird (siehe Beschlusslage WSB), ist es überaus sinnvoll, rechtzeitig konzeptionelle Überlegungen hinsichtlich der zukünftigen Barrierefreiheit anzustellen, die sich speziell mit den Würzburger Bedingungen und Anforderungen beschäftigt und deren Ergebnisse auch in das Lastenheft zur Ausschreibung dieser neuen Straßenbahnbeschaffung einfließen müssen.

Neben den Fahrzeugen werden in den nächsten Jahren wichtige Haltestellen zu sanieren sein, so z. B. am Hauptbahnhof oder an den Endhaltestellen in der Sanderau und Zellerau. Da für die Barrierefreiheit das Zusammenwirken von Haltestellen und Fahrzeugen entscheidend ist, sollte vor den größeren Sanierungen die Zukunftstauglichkeit möglichst abgesichert werden, so dass z. B. die Haltestellenhöhe nicht nachträglich verändert zu werden braucht. Ob die bisher verwendete Haltestellenhöhe von 20 Zentimetern ausreicht, erscheint fraglich, da neue Fahrzeuge aus Gründen der fahrzeugtechnischen Zuverlässigkeit eine höhere Bodenhöhe aufweisen sollten.

Laut RAST 06 (Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen) wird für Niederflursysteme eine Haltestellenhöhe von 25 bis 35 cm über Schienenoberkante empfohlen.

Wie hier nur angedeutet wird, sind die Zusammenhänge komplex und nicht sehr einfach zu beantworten, so dass ein externes Fachgutachten zielführend für anstehende Entscheidungen ist. Dieses Gutachten soll rasch vergeben und bearbeitet werden, um der endgültigen Fertigstellung des Lastenheftes nicht im Wege zu stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Gerr, Stadtrat;  Karin Miethaner-Vent, stv. Fraktionsvorsitzende
auch namens der Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Lore Koerber-Becker, Stadträtin;  Udo Feldinger, Stadtrat
auch namens der SPD-Stadtratsfraktion