Michael Gerr

Stadtrat für Würzburg

Grafeneckart WürzburgAuch wenn die Stadt Würzburg sich in Richtlinien selbst verpflichtet hat eigene Veranstaltungen barrierefrei durchzuführen, gestaltet sich die Praxis nicht so eindeutig. Dies schon allein, weil die Stadt nach wie vor Einrichtungen in Gebäuden unterhält, die (noch) nicht barierefrei sind, wie zum Beispiel das Jugendzentrum "Cafe Kairo". Zudem steckt barrierefreie Kommunikation für Schwerhörige und Gehörlose immer noch in den Anfängen. Insgesamt Grund genug für Michael Gerr eine Anfrage zu stellen, um den Stand der Barrierefreiheit bei städtischen Veranstaltungen zu erfassen.

Die Anfrage wurde zur Stadtratssitzung am 3. Mai 2012 schriftlich beantwortet (siehe unten). Auf die mündliche Nachfrage mit dem Hinweis, dass bei Frage 1 nur die barrierefreien Veranstaltungen aufgelistet sind, nicht aber die nicht barrierefreien, sicherte Oberbürgermeister Georg Rosenthal zu, dass diese nun im laufenden Jahr benannt werden.


Anfrage: Barrierefreiheit bei städtischen Veranstaltungen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

bezüglich des Standes der Barrierefreiheit bei städtischen Veranstaltungen bitte ich um Beantwortung der folgenden Anfrage:

1.    Wie viele städtische Veranstaltungen (Empfänge, Veranstaltungen der Referate, Bürgerversammlungen etc.) fanden 2011 in barrierefrei zugänglichen Räumlichkeiten statt, wie viele in nicht barrierefrei zugänglichen Räumen?
2.    Bei wie vielen städtischen Veranstaltungen wurden Gebärdensprachdolmetscher/innen eingesetzt?
3.    Bei wie vielen städtischen Veranstaltungen kamen Einrichtungen für Schwerhörige (Induktionsanlagen) zum Einsatz?
4.    In wie vielen und in welchen städtischen Räumen sind Induktionsanlagen installiert?
5.    In welchen städtischen Gebäude und Räumen ist die Einrichtung einer Induktionsanlage geplant?
6.    Verfügt die Stadt über mobile Induktionsgeräte (welche Technik)?
7.    Werden Einladungen grundsätzlich auch für Blinde und Sehbehinderte zugänglich gemacht? (z. B. Beachtung ausreichender Schriftgrößen und Kontraste, als barrierefreies pdf-Dokument, barrierefrei im Internet nach BITV 2.0)
8.    Sind bereits andere Techniken für barrierefreie Kommunikation eingesetzt worden 
(z. B. Einfache Sprache, Schriftdolmetscher etc.)?

Mit freundlichen Grüßen
Michael Gerr

Eingereicht am 27.3.2012

Und hier die Antwort:

Mitteilung:

Die Anfrage von Stadtratsmitglied Gerr wird wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Sämtliche Empfänge der Stadt Würzburg finden in barrierefrei zugänglichen Räumen statt. Im Jahr 2011 waren dies 54. Gleiches gilt für die Bürgerversammlungen (1), Bürgerinformationsveranstaltungen (2), Ehrungsabend der Freiwilligen Feuerwehr (1), Kulturmedaillenverleihung (1), Konzerte der Jungen Philharmonie, Autorenlesungen der Stadtbücherei, Sitzungen des Behindertenbeirates (6), Behindertenforum (1), AK Barrierefreies Bauen (10), AG Inklusion (2). Auch die Volksfeste sind weitestgehend barrierefrei zu erreichen. Gleiches gilt für alle Veranstaltungen, die im Freien stattfinden, wie z.B. Tag des Baumes, Tag der Biodiversität, Frühling International, Mainfranken Messe, Straßenmusikfestival, Ringparkfest, Hafensommer, Umsonst & Draußen, Kinderfest, Seifenkistenrennen, Stadtteilfeste. Die Vorstellungen des Stadttheaters im Großen Haus sind alle barrierefrei zu erreichen (200). Die Vorstellungen in den Kammerspielen sind nicht barrierefrei zu erreichen (120). Von den Jugendeinrichtungen sind das Jugendzentrum Zoom und das Jugendzentrum Heuchelhof barrierefrei zugänglich.

Zu 2.: Gebärdendolmetscher kommen bei Veranstaltungen der Fachabteilung Pro Stadt sowie bei den Veranstaltungen der Beratungsstelle für Senioren und Menschen mit Behinderungen zum Einsatz. Darüber hinaus werden Gebärdendolmetscher bei Trauungen eingesetzt.

Zu 3.: Induktionsanlagen kommen bei städtischen Veranstaltungen im Ratssaal, insbesondere bei Veranstaltungen des Sozialreferates (z.B. Behindertenbeirat) zum Einsatz; außerhalb des Ratssaales bei allen Veranstaltungen der Beratungsstelle für Senioren und Menschen mit Behinderungen. Bei Vorstellungen des Stadttheaters kann eine mobile Induktionsanlage ausgeliehen werden.

Zu 4.: Im Bürgerbüro – Frontoffice – Wartebereich ist eine Induktionsanlage fest installiert und mit dem Aufrufsystem verbunden. Im Ratssaal ist eine mobile Induktionsanlage in die vorhandene ELA- Anlage integriert.

Zu 5.: In folgenden Gebäuden/Räumen sind Induktionsanlagen geplant:

  • Rathaus/Wappensaal und Beratungsraum I (statische Schleifen)
  • Rathaus/Beratungsraum II und III (mobile Anlagentechnik)
  • Karmelitenstr. 43 /Besprechungsraum DG (statische Schleifen)

Zu 6.: Im Sozialreferat sind mobile Induktionsgeräte der Firma Phonak (ein Sender, zwei mobile Induktionsschleifen) vorhanden. Das Bürgerbüro verfügt über drei mobile Induktionsgeräte der Firma Humantechnik. Die Anlage der Firma Phonak ist um max. zwei weitere mobile Induktionsschleifen erweiterbar. Bei den Anlagen der Firma Humantechnik handelt es sich um sog. Tischgeräte mit integriertem Mikrofon und Sendeeinrichtung. Voraussetzung für induktive Sprachverstärkung sind Hörgeräte des Typs HDO mit Telefonspule, die vom Hörtechniker voreingestellt werden und bei Bedarf vom Nutzer aktiviert werden. Bei Hörgeräten des Typs IDO ist induktive Sprachverstärkung nicht möglich; hier kommen externe Kopfhörer zum Einsatz.

Zu 7. und 8.: Bei allen Einladungen wird auf gute Lesefähigkeit geachtet. Vor ca. 3 Jahren wurde die Anschaffung von Brailledruckern geprüft. Diese sind jedoch sehr teuer und stellen umfangreiche Anforderungen an Umgebung und Betreuung (eigener Raum, Schallschutz, Benutzer muss Brailleschrift beherrschen) so dass dieses Vorhaben nicht weiterverfolgt wurde. Eine Anfrage beim Blindeninstitut wegen Übernahme von Druckaufträgen für Blinde und Sehbehinderte wurde von dort aus Kapazitätsgründen abschlägig beschieden. Bis März 2014 wird auch bei der Stadt Würzburg die barrierefreie Kommunikation entsprechend BITV 2.0 eingesetzt werden. Der Flyer des Behindertenbeirates ist bereits in einfacher Sprache verfasst.