8: Zentrum als Event-, Einkaufs-, Arbeits- und Lebensort

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die europäische Stadt mit ihrem ausgeprägten Stadtzentrum hat viel zu bieten: Innenstädte mit klaren wiedererkennbaren Strukturen. So hat auch Würzburg, wie viele andere Städte, einen zentralen Marktplatz, ein markantes Rathaus und weit sichtbare Kirchtürme. Dazu kommt ein Park ums Zentrum, in Würzburg der Ringpark. Die offene europäische Stadt ist gekennzeichnet durch ein buntes Leben, Kultur- und Kneipenszene, Menschen von überall her.

In vielen deutschen Städten, so auch Würzburg, hat die Eventkultur in der Stadt deutlich zugenommen. In den warmen Monaten gibt es kaum ein Wochenende ohne größere Veranstaltungen, nich nur in Hallen und auf Wiesen, sondern auch mitten in der Stadt. Das schafft neben allem Spaß auch Belastungen, da die vielfältigen Ansprüche in der Stadt nicht immer auf einen Nenner zu bringen sind. Konflikte kann es insbesondere zwischen verschieden Gruppen geben deren Lebenswirklichkeit oder Selbstverständnis sich unterscheidet. Das sind die unterschiedlichen Generationen, Weinkultur, Partykultur, sonstige Kulturen und nicht zuletzt die Interessen der Anwohner*innen. Die Innenstadt ist aber auch Ort für Arbeitsplätze, In Würzburg ist hier vor allem der Bildungs- und Dienstleistungssektor stark ausgeprägt. Dazu kommen viele kleine Läden, ein bunter Einzelhandel, der nicht nur auf große Ketten reduziert ist. Das Nebeneinander funktioniert meistens recht gut. Vieles kann im Dialog geklärt werden.

Im Bauausschuss habe ich mich vor etwa einem Jahr, nachdem aus den Reihen der CSU die Einführung einer Sperrzeit ins Spiel gebracht wurde, als einziger klar dagegen ausgesprochen. Das Thema ruht derzeit, da der konservativere Teil des Stadtrats den Konflikt, den es gäbe, vor den Wahlen scheute. Aber es kann leicht wieder Thema werden. Worum geht es? Die Würzburger Bar- und Kneipenkultur ist in der Stadt sehr ausgeprägt, was sicher auch am hohen Anteil Studierender liegt. Aber als jemand, der selber mitten in der Stadt lebt und auch gerne mal ausgeht, weiß ich auch, dass gar nicht so wenige von auswärts ins Nachtleben Würzburgs eintauchen. Das bringt neben Spaß für die Leute, aber auch die Unschöneren Seiten, die vor allem die Menschen beklagen, die in den Wohnungen über der Szene wohnen und irgendwann auch schlafen wollen: nächtlicher Lärm, Gegröhle, Hinterlassenschaften auf Wegen und an Hauseingängen, die niemand braucht.

Meines Erachtens ist eine Sperrstunde, zum Beispiel um 1 oder 2 Uhr, keine Lösung für eine Stadt, die offen bleibt und nicht auf zu viele Verbote setzt. Bereits jetzt gibt es Verbote für Alkohol in der Öffentlichkeit, so an der Leonhard-Frank-Promenade. Man trifft mit solchen Verboten immer nur bestimmte Personengruppen, die dann eben woandershin ausweichen. Es gibt durchaus ein Drogenproblem in unserer Gesellschaft. Besonders Alkohol, als legale Droge fast überall verfügbar, hat negative Auswirkungen. Immer mehr harte Sachen, Schnäpse, Shots oder Cocktails werden in kurzer Zeit konsumiert. Es handelt sich aber um legale Drogen, die selbstverständlich in Restaurants, Kneipen oder Bars nicht von der Stadt eingeschränkt werden können.

Sperrstunden haben sich andernorts nicht bewährt, zumindest führten sie laut einer Studie nicht zu einer Reduzierung von nächtlichen Gewalttaten. Was aber kann man tun? Die Stadt hat eine Reihe von Auflagen erteilt, wozu die Begrenzung der Außengastronomie gehört und ein Ausschankverbot auf die Straße zu nächtlichen Stunden. Gläser dürfen auch von drinnen nicht mit hinausgenommen werden. Der städtische Ordnungsdienst kann Eskalationen im Vorfeld verhindern helfen. Schließlich ist an Wirte zu appellieren, dass sie an Personen, die „genug haben“, nicht noch weiter Alkohol verkaufen. Im Ergebnis wird es sich aber nur halten lassen von Verboten und Einschränkungen abzusehen, wenn diejenigen, die Spaß suchen, auch Rücksicht nehmen, auf die, die einigermaßen ihre Ruhe habe wollen. Wer Stille in der Nacht sucht, wie sie im Dorf zu finden ist, hat vielleicht in der Stadt den falschen Wohnort. Charakter von Kompromissen ist aber, dass beide etwas beitragen: also bitte liebes Partyvolk, denkt daran, dass hier auch Menschen wohnen und schlafen. Dann kann es auch bei einer lebendigen Kneipenkultur bleiben, die nicht frei von Rücksicht auf andere Menschen ist.

Und wie sieht es mit Ruhe in der Stadt aus? Dazu morgen am Sonntag, dann ist es noch eine Woche bis zum Wahltermin.

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