9: Bäume und Räume: sozialökologisches Klima

Oberer Markt Würzburg

Mein Countdown 9:

Noch 9 Tage bis zu den bayerischen Kommunalwahlen

Würzburg, 6. März. Trübes regnerisches Wetter. Letzter Arbeitstag der Woche bei WüSL.

Auf dem Fußweg zur Arbeit mache ich ein Foto vom Oberen Markt in Würzburg. Bei blauem Himmel macht er kein schlechtes Bild, doch gerade bei dem tristen Wetter fallen die 3 Bäumchen ins Bild in ihren Trögen, nur wenn man genau hinsieht: kahl, klein und keineswegs den Platz prägend. Am Unteren Markt, der von der Fläche her sicher dreimal so groß ist, gibt es noch nicht einmal ein einziges solches Bäumchen. Grund ist die Marktgarage, die größte Tiefgarage in Würzburgs Zentrum, die in Zeiten einer „autogerechten Stadt“ so gebaut wurde, dass kein Untergrund für Grün oder gar tiefwurzelnde Bäume übrig blieb. In vielen Straßen im Zentrum ist es ähnlich: Der Untergrund ist verbaut oder mit diversen Leitungen durchzogen, weitgehend versiegelte Fläche meist ohne Erdreich für Versickerungsmöglichkeiten fürs Wasser und somit auch kein Grün.

Die fehlenden Bäume sind Teil des Klimaproblems in der Würzburger Innenstadt, das durch die Kessellage, aber auch die Art und Enge der Bebauung mitverursacht wird. Jeder Baum, vor allem aber die mit großer Krone, helfen Hitzetage zu reduzieren und die Luft zu verbessern durch Kühlung und mehr Sauerstoff in der Luft. Deshalb kämpfen wir Grüne in der Stadt um jeden einzelnen Baum.

Ein anderes Thema sind die Räume in der Stadt, verstanden als Sozialräume, die wir Menschen auf unterschiedliche Weise nutzen. Das Stadtbild zusammen mit den Menschen, die dort leben, macht den Sozialraum aus, die Weise, wie die Räume belegt werden und so erst lebendig werden können. Es gibt mindestens zwei Grundarten Räume zu belegen: Eine erstens eher statische Grundart, die Räume stark definiert und so mit eindeutigen Bestimmungen festlegt. Und zweitens eine eher offene und dynamische Grundart, wo Raum als bespielbare Fläche verstanden wird, die sich etwa Menschen jeweils nur zeitweise zu eigen machen, sie aber auch wieder für andere öffnen. Die erste Grundart entspricht eher dem kapitalistischen Denken von Eigentum, die zweite eher dem Raum als freies Gut aller, das sich eben alle teilen. Einmal wird Stadtraum verkauft, Außengastronomie gegen Bezahlung, verkaufte Fläche für Schilder oder Stände, das andere mal wird Stadtraum allen offen zur Verfügung gestellt, Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang, Flächen zum Spielen, für kostenlose kreative Aktionen und Meinungskundgebungen, auch ohne Anmeldung. In der Praxis haben wir eine Mischung aus beidem; am Verhältnis beider Arten Räume zu gestalten kann man ablesen, wo der Schwerpunkt des Lebens in einer Stadt liegt.

Ich werbe für einen inklusiven Stadtraum mit gutem sozialökologischem Klima. Dazu gehören Räume und Bäume. Ein Platz mit Bäumen, wie zum Beispiel am Kardinal-Faulhaber-Platz mitten in der Stadt, kann beispielhaft ein solch gutes Klima im umfassenden Sinne haben. Die Verschränkung von Ökologie, geschaffenem Naturraum und Sozialraum werden so selbstverständlich gelebt. Inklusives Klima heißt, niemand wird ausgegrenzt, der Raum ist barrierefrei, die Rahmenbedingungen sind auf vielfältige Nutzungsmöglichkeiten ausgelegt und nicht nur solche kommerzieller Art, exklusive Nutzungen bleiben auf das Notwendigste beschränkt. Das bedeutet auch, dass Verbote nur äußerst zurückhaltend eingesetzt werden dürfen. Sanktioniert werden sollte eigentlich nur das Verhalten werden, das den inklusiven Stadtraum angreift durch Egoismus, der andere einschränkt oder angreift.

Es gibt gerade in einer beengten Stadt aber Probleme diese als völlig offenen Raum zu betrachten. Dazu im Countdown 8.

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